1313
Gottfried II. von Hohenlohe-Brauneck (im Taubertal) verkauft Vogtei und Gerichtsbarkeit des Dorfes Letthechenburne an Kurmainz. Bis 1571 besteht in Filbuch ein Gericht. Beide Orte bleiben mainzisch bis zum Ende des Kurstaats 1803.
1606
Unterstellung unter das Amt Orb; Umgliederung der Kirchengemeinde von Bieber in die Pfarrei Orb.
1632
Beide Orte haben zusammen 42 Huldigende (Haushaltsvorstände).
1634
Pest und Truppendurchzüge; Villbach fällt wüst, in Lettgenbrunn stehen noch wenige Gebäude.
1654
Die Instandsetzung der Jakobus d. Ä. geweihten Kirche leitet die Wiederbesiedlung ein.
1810
Die Orte haben zusammen 26 Feuerstellen/219 Einwohner und gehören zur Districtmairie Orb (ehem. kurmainzische Vogtei Orb) im Departement Aschaffenburg des Großherzogtums Frankfurt.
1814
Die Disrictmairie Orb kommt mit dem gesamten Departement Aschaffenburg (ehem. Fürstentum Aschaffenburg, ehem. Oberstift Mainz) zu Bayern.
1866
Das vormalige Landgericht Orb wird mit Lettgenbrunn, Villbach, Oberndorf, Pfaffenhausen, Burgjoß und Mernes (aber ohne Aura, Deutelbach, Mittel- und Obersinn) an Preußen (Provinz Hessen-Nassau, Kreis Gelnhausen). Villbach wird als „Wohnplatz“ Teil von Lettgenbrunn.
1875
Nach Einrichtung der Standesämter gehört Lettgenbrunn zum Standesamt Oberndorf.
1885
Die Gemarkung umfasst 970 ha, davon sind 324 ha Ackerland, 36 ha Wiesen, 610 ha Holzungen. Von 247 Einwohnern sind 230 katholisch, 17 evangelisch.
1910
Das VIII. Armeekorps in Frankfurt plant einen Truppenübungsplatz und nimmt mit Orb und Lettgenbrunn/Villbach Kontakt auf. Wilhelm II. verleiht als König von Preußen dem Kriegsministerium das Recht, Grundeigentümer zu diesem Zweck zu enteignen.
1912
Von 31 Eigentümern lehnen 9 das Entschädigungsangebot der Heeresverwaltung als zu niedrig ab.
1912
Auflösung der Gemeinde durch Umgemeindung in einen Gutsbezirk.
1913
Nach Androhung von Geldstrafen verlassen die letzten ihre Anwesen. Lettgenbrunn mit 22 Höfen sowie Schule, Kirche, Pfarr- und Forsthaus und der Siedlungsplatz Villbach mit 7 Höfen werden aufgegeben. 252 Lettgenbrunner und 75 Villbacher mussten ihre Häuser verlassen. Die Gebäude bleiben erhalten, da nach Inbetriebnahme des Übungsplatzes (35 km²) Soldaten darin wohnen.
1915
In einem Gefangenenlager (im Gebiet der heutigen Karlsbader Straße) kommen die ersten sowjetischen Soldaten an.
1920
Aufhebung des Truppenübungsplatzes. Das Gelände geht an das Reichsfinanzministerium.
1920
Neubesiedlung durch 30 Familien (frühere Bewohner, kriegsbeschädigte Bauernsöhne der Nachbarorte, Vertriebene aus Elsass-Lothringen), mit 10 ha Pachtland pro Stelle. Anfängliche Probleme (Mißernten, Absatzschwierigkeiten, geringe Zusammenarbeit) führen zur Kündigung von Pachtverhältnisse wegen Zinsrückständigkeit.
1922
Die Bewohner erhalten zinslose Darlehen, zunächst von Quäkern, dann von der „Hessische Heimat Siedlungsgesellschaft“.
1929
Lettgenbrunn-Villbach wird als Gemeinde neu gegründet.
1930
Ausweisung des Naturschutzgebietes Beilstein.
1931
Die „Hessische Heimat“ übernimmt auch das Siedlerland, um die Pachthöfe in Rentengüter umzuwandeln.
1932
Das Gemeindegebiet geht an die preußische Forstverwaltung über.
1934
Der Kreis Gelnhausen tritt im Pachtverhältnis an die Stelle der „Hessischen Heimat “
1934
Das Reichsluftfahrtministerium projektiert einen Fliegerhorst in Rothenbergen, verknüpft mit dem Areal Lettgenbrunn- Villbach. Der Landrat teilt den inzwischen 35 Familien mit, dass sie ihre Häuser bis 1. Mai räumen müssen, bei einer Entschädigung von je 4000 RM.
1935
Die Ausstattung der Kirche kommt nach Pfaffenhausen (Orgel) bzw. nach Mernes (Taufstein, Marienaltar mit Strahlenkranz-Madonna, Hochaltar).
1935
Der Landrat lässt bewaffnete SA in das noch nicht vollständig geräumte Dorf legen. Bis Herbst sind beide Orte menschenleer. Die ehemaligen Bewohner kommen in der Umgebung unter.
1936
Der Kreis Gelnhausen schließt mit dem Deutschen Reich/Luftkreiskommando IV einen Pachtvertrag für sechs Jahre. Das Gelände bekommt den Namen „Bombenabwurfplatz Orb“. Die Gebäude werden als Zielobjekte durch Sturzkampfbomber aus Rothenbergen und Giebelstadt zerstört.
1938
Die Luftwaffe erwirbt das Areal.
1939
Auf der Wegscheide wird ein Lager für Kriegsgefangene eingerichtet, die bei Bauern und Industriebetrieben der Umgebung eingesetzt werden. Mindestens 1430 sowjetische Soldaten werden Opfer der bewussten physischen Vernichtung und an der Straße nach Villbach begraben.
1945
Nach Kriegsende geht das Gebiet an die US-Armee über.
1946
Der Kreistag beschließt, auf dem Gelände solle ein neues Dorf für Bauern, Waldarbeiter, Holzfuhrleute und Handwerker entstehen.
1947
Die Fläche wird Flüchtlingen und Vertriebenen zugewiesen (Egerland, Mähren, Ostpreußen, Schlesien, Mitteldeutschland, Ungarn, Rumänien, Polen) und mit Geldern des Marshallplans sowie Unterstützung der Nassauischen Siedlungsgesellschaft (NSG) wieder aufgebaut. Die Auswahl Siedlerfamilien liegt für drei Jahre bei Landratsamt, Kulturamt Hanau und beim Ortslandwirt.
1947
Grundsteinlegung für das erste Haus durch Landrat Heinrich Kress. Während der Bauzeit wohnen je vier Familien in einer Nissenhütte. Am Ende sollen 70 Familien hier siedeln.
1948
Gründung einer einklassigen Dorfschule. Erster Lehrer ist Karl Heidlberger
1948
Gründung einer Siedlervertretung. Verwaltungsaufgaben übernimmt vorläufig Bürgermeister Daus von Pfaffenhausen.
1949
Erbauung eines Sägewerks durch die NSG; Eröffnung des „Znaimer Hofs“; Gründung der freiwilligen Feuerwehr.
1952
Neubildung einer selbständigen Gemeinde Lettgenbrunn (1. April) mit 173 Neusiedlern. Wahl der ersten Gemeindevertretung; Bürgermeister wird Josef Hess (bis 1959): Wasserleitung mit Anschluss der Häuser, Vatertierhaltung, Wegebau.
1953
Gründung der Landfrauenvereinigung.
1954
Bau der Doppelkirche. Die katholische Kirchengemeinde ist Bad Orb zugehörig, die evangelische Lohrhaupten.
1954
Kleinbuslinie Lettgenbrunn-Salmünster-Mernes sowie Lettgenbrunn-Orb (1970 an die Kreiswerke).
1957
Nach zehn Jahren leben in 50 Haushalten 243 Menschen (150 katholisch, 93 evangelisch). 27 Kinder besuchen die einklassige Schule; 43 Kinder wurden in der neuen Heimat geboren. An Gebäuden sind fertiggestellt: Kirche, Schule, 19 Bauernhöfe, 12 Nebenerwerbsstellen einschließlich Gasthaus, Sägewerk und Schmiede, neun Wohnhäuser, eine Dreschhalle; 600 ha sind unter Pflug.
1959
Bürgermeister Josef Grillowitzer (bis 1961): Ortsbeleuchtung, Bau des Lehrerhauses.
1960
Eröffnung der Gaststätte „Sudetenhof“.
1961
Errichtung zweier Milchsammelstellen. Die Landwirte haben seit 1950 auf Viehzucht/Grünland-wirtschaft umgestellt.
1961
Bürgermeister Karl Herrmann (bis 1964): Rentengutsrezess, Erwerb des Prädikats „Erholungsort“, Wirtschaftswege, Anlage von Tiefbrunnen und Hochbehälter, erste geordnete Ausweisung von neuem Bauland, Sport- und Kinderspielplatz.
1963
650-Jahrfeier; Gründung des SV Lettgenbrunn.
1964
Bürgermeister Franz Palige (bis 1974): Auf Wachstum zielende Bebauungspläne, Ausbau der Wasserversorgung.
1969
Schließung der Schule. Kinder aller Jahrgänge besuchen nun Schulen in Orb.
1970
In der Gebietsreform spricht sich die Gemeindevertretung wiederholt für einen Anschluss an Bad Orb aus: Orb sei Schulort, Einkaufsstadt, Hauptstelle der Bank und Ziel der einzigen öffentlichen Verkehrsverbindung. Außerdem habe sich Lettgenbrunn zum Baugebiet für Orber entwickelt. Die Kurstadt lehnt das Ansinnen ebenso ab, wie das Innenministerium.
1972
Villbacher Landwirte stellen Gelände für einen 9-Loch-Golfplatz bereit (22 ha).
1972
Die neue Gemeinde feiert ihr 25jähriges Bestehen.
1974
Zum 1. Juli wird Lettgenbrunn-Villbach mit der Gemeinde Jossatal zu „Jossgrund“ zusammengeschlossen